Hauswirtschaftsunterricht
und «gesund & bewegt»
Kapitel 1 | Einleitung
Helga Deussen, Dozentin für Hauswirtschaft, Pädagogische Hochschule St.
Gallen.
Dieser Beitrag richtet sich speziell an Lehrkräfte, die das Fach Hauswirtschaft
unterrichten. Sie finden hier einige Anregungen, wie die bestehende Dokumentation
«gesund & bewegt» fachspezifisch und interdisziplinär genutzt werden
kann.
Wie nutzen Sie «gesund & bewegt» als Hauswirtschaftslehrkraft?
Interdisziplinarischer Ansatz
Themen des Lehrplans Hauswirtschaft mit Sport verknüpfen:
- Das Lehrmittel «gesund & bewegt» Fächer übergreifend
mit einer Lehrkraft aus dem Bereich Sport bearbeiten. Schwerpunkt könnte
sein, Ernährungsaspekte zu reflektieren und praktisch umzusetzen.
- Auswahl und Zubereitung von Nahrung unter dem Aspekt der
Energiebilanz
- Energiegehalt einer Mahlzeit in Relation zum Energieverbrauch
bestimmte Tätigkeiten
- Auswirkungen der Essenszeiten auf die Leistung
- Auswirkungen der Zusammensetzung von Mahlzeiten auf die
Leistung
- Annähernd gleiche Voraussetzungen bezüglich Energieaufnahme
in der gesamten Klasse herstellen. Auswirkungen auf den Output testen
und reflektieren. Individuelle und allgemeine Wirkungsmechanismen analysieren.
- Themen des Lehrplans Hauswirtschaft so bearbeiten, dass jeweils
der Transfer zu den zentralen Themen von "gesund & bewegt“ (Aussehen,
Input, Output) hergestellt wird:
- Energieberechnungen von Mahlzeiten
- Sättigungswert verschiedener Nahrungsmittel/Mahlzeiten
- Leistungskurve
- Eine ideale Möglichkeit, die bisher aufgeführten Ideen zu
nutzen, hat diejenige Lehrkraft, die auf der Sekundarstufe I die Lehrbefähigung
für die Fächer Sport und Hauswirtschaft hat. Zusätzlich
bieten sich folgende Möglichkeiten an:
- Projekte
- Lagerwochen zu diesem Thema
- Lagerverpflegung
Fachspezifischer Ansatz
Im Bereich der Gesundheit Schwerpunkte im Teilbereich Hauswirtschaft (Mensch
und Umwelt) setzen. Hier einige Beispiele:
Ein Massnahmenpaket zur Prävention sowie zur Gesundheitsförderung kann auf
zwei verschiedenen Ebenen ansetzen.
- Auf der Ebene des Verhaltens : Damit sind
individuelle, Personen orientierte Faktoren gemeint. Es geht auf dieser
Ebene um den Erwerb/die Erweiterung von Handlungskompetenz, um Faktoren
wie Motivation, Information und insbesondere um konkrete Handlungsangebote.
- Auf der Ebene der Verhältnisse : Damit
sind strukturelle, Umwelt bezogene Faktoren gemeint. Auf dieser Ebene geht
es darum die Lebensbedingungen so zu optimieren, dass die Verhältnisse
es wahrscheinlicher machen, dass der Einzelne die «gesündere» Variante
wählt. Lenkung und Anreize von aussen spielen hier eine wichtige Rolle.
Verhaltensansätze:
- komplexes Zielverhalten (z. B. eine neue Ernährungsgewohnheit)
in durchführbare Komponenten unterteilen (z. B. Nährstoff schonende Zubereitung
traditioneller Gerichte vor der Zubereitung
neuer Gerichte planen und umsetzen);
- individuelle Zielvorstellungen (z. B. bezüglich Ernährungsverhalten
am Gemeinschaftstisch) eruieren, reflektieren und realisieren;
- Menschen eine Zeit lang während der Umstellung ihres Ernährungsverhaltens
begleiten und motivieren;
- Themen des Lehrplanes Hauswirtschaft unter dem Leitthema
«ganzheitliche Gesundheit» umsetzen;
- Planung und Herstellung von Mahlzeiten, welche dazu geeignet
sind, das Körpergewicht konstant zu halten oder zu reduzieren (oder zu
erhöhen);
- Planung und Herstellung von Mahlzeiten, welche dazu geeignet
sind, Ausdauerleistungen (oder Kurzzeitleistungen) gut zu bewältigen;
- Planung und Herstellung von Mahlzeiten, welche dazu geeignet
sind, das geistige Leistungsvermögen während eines langen Schultages
zu optimieren.
Verhältnisansätze:
- sporadisch Klassen im Schulhaus im Rahmen des Hauswirtschaftsunterrichts
zu Menüs einladen, welche ernährungswissenschaftlichen Grundsätzen entsprechen
(für die Gäste zum Selbstkostenpreis);
- Autorinnen und Autoren von Kochbüchern dazu motivieren,
fett- und zuckerreduzierte Rezepte zu präsentieren;
- ortsansässige Anbieter, z. B. Bäckereien dazu motivieren,
«gesunde» Zwischenverpflegungen für Schüler/innen zu einem attraktiven
Preis anzubieten;
- eine Preisreduktion von Früchten und Gemüse für den Hauswirtschaftsunterricht
und/oder für Einzelstücke (als Pausenverpflegung) bei den örtlichen Anbietern
aushandeln;
- Transfer von Ernährungsansätzen ins familiäre Umfeld, z.
B. durch Projekte, welche die Ernährungssituation der Familie für eine
Weile beeinflussen oder gar umgestalten;
- Transfer von Ansätzen ins schulische Umfeld, z. B. durch
Getränkebar, Verpflegungsangebote für Pausen, Degustationsmöglichkeiten,
Obststand, gemeinsames Schulfrühstück usw.
Ich hoffe, Sie finden den nötigen Mut und auch die nötige Tatkraft, um neue
Wege in der Gesundheitsförderung zu gehen. Wenn Sie sich gemeinsam mit anderen
Interessierten auf den Weg machen, macht die Sache sicher noch mehr Spass.
Die folgende Mindmap (Abbildung 1) zeigt die Vielzahl der Möglichkeiten
auf, welche der Lehrplan Hauswirtschaft in Bezug auf eine ganzheitliche Gesundheitsförderung
bietet. Die in der Mindmap aufgeführten Verknüpfungen übersteigen den Rahmen
von «gesund & bewegt». Es handelt sich dabei um eine Auswahl von
Beispielen, nicht um eine vollständige Übersicht.
Mindmap: Hauswirtschaft und Gesundheitsförderung

Abbildung 1: Hauswirtschaft und Gesundheitsförderung (mittels Doppelklick
kann das Bild vergrössert betrachtet bzw. heruntergeladen werden).
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Artikel als PDF
«gesund & bewegt» Arbeitsheft Energiemanagement
Autorin/Autor:
Christine Imhof-Hänecke, Willi Dahinden, Dr. Josef Laimbacher
Gestaltung Print & Web: Iwan Raschle | raschle &kranz,
Atelier für Kommunikation, Bern
© 2004 schulverlag blmv AG
Weitere Informationen finden Sie auf der Website des schulverlags:
www.schulverlag.ch

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